„Die Bahn schenkt Ihnen eine Stunde!“ war das
Motto, mit dem die Deutsche Bahn im Juli 2002 für die Verkürzung der Fahrzeit
durch die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln und Frankfurt warb.
Seinerzeit feierten neben Kanzler Gerhard Schröder und Bahnchef Hartmut Mehdorn
viele Prominente dieses Geschenk. Es war allerdings ein teures Geschenk, denn
die Neubaustrecke durch den Westerwald mit zahlreichen Talbrücken und Tunneln kostete
rund 6 Mrd. Euro, wovon der Steuerzahler den Löwenanteil übernahm.
Tatsächlich war und ist diese Strecke ein riesiges Verlustgeschäft, wenn man die Infrastrukturkosten mit einbezieht. Kurioserweise hatte bereits der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bahn AG ausrechnen lassen, dass auf dieser Strecke Fahrgasterlöse von 2,6 Mrd. DM (rund 1,3 Mrd. Euro) erwirtschaftet werden müssten, um den Break Even zu erreichen. Davon ist die Bahn angesichts eines Gesamtumsatzes von rund 4,2 Mrd. Euro im Fernverkehr auch 15 Jahre später noch meilenweit entfernt.
Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 scheint sich ähnliches zu wiederholen. Zur Feier der Eröffnung der Schnellfahrstrecke München-Berlin werden Sonderzüge eingesetzt, in denen drei Ministerpräsidenten, der amtierende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt und Bahnchef Richard Lutz mitfahren. Zum Abschlussfest in Berlin kommt dann auch die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Im Zuge der Eröffnung der Neubaustrecke erwartet DB Fernverkehr eine Verdopplung der Fahrgastzahlen von 1,8 auf 3,6 Mio. Passagiere. Mit Unterstützung der Lobbyverbände wird vor allem ein Angriff auf die bei Fluggästen sehr beliebte Flugverbindung München-Berlin propagiert. Tatsächlich sind auf dieser Route aber nur rund 2 Mio. Personen im Jahr unterwegs. Auch wenn Flugreisen zwischen München und Berlin in spürbarem Masse substituiert werden, was verkehrs- und umweltpolitisch durchaus wünschenswert wäre, stellt sich die Frage, wie eine Verdopplung der Passagierzahlen erreicht werden soll.
Kritisch zu hinterfragen ist in diesem Zusammenhang auch die frohe Botschaft, dass die Fahrzeit zwischen München und Berlin auf unter vier Stunden sinkt. Dies gilt leider nur für 3 Zugpaare täglich, während das Gros der stündlich abfahrenden Züge weiterhin rund viereinhalb Stunden unterwegs ist und die Ergänzungszüge sogar länger als fünf Stunden. Notabene: Mit dem Start der Sprinter zwischen München und Berlin wird der morgendliche Sprinter zwischen Frankfurt und Berlin eingestellt.
Darüber zu philosophieren, ob eine alternative Verwendung der Investitionsmittel für andere Projekte im Personenverkehrsnetz oder gar für die notleidende Güterverkehrsinfrastruktur einen höheren Nutzen gebracht hätte, ist müßig: Sunk costs are sunk! Die Schnellfahrstrecke München-Berlin sollte aber ein Menetekel für die Zukunft sein.
Angesichts der Tatsache, dass für Neu- und Ausbaumaßnahmen in den nächsten Jahren maximal 1,5 Mrd. Euro p.a. zur Verfügung stehen, ist eine Priorisierung der Maßnahmen unausweichlich. Dass der Kostenrahmen für das Projekt Stuttgart 21 seitens der Deutschen Bahn unlängst auf 7,6 Mrd. Euro erhöht wurde, ist in diesem Kontext keine gute Nachricht.
Tatsächlich war und ist diese Strecke ein riesiges Verlustgeschäft, wenn man die Infrastrukturkosten mit einbezieht. Kurioserweise hatte bereits der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bahn AG ausrechnen lassen, dass auf dieser Strecke Fahrgasterlöse von 2,6 Mrd. DM (rund 1,3 Mrd. Euro) erwirtschaftet werden müssten, um den Break Even zu erreichen. Davon ist die Bahn angesichts eines Gesamtumsatzes von rund 4,2 Mrd. Euro im Fernverkehr auch 15 Jahre später noch meilenweit entfernt.
Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 scheint sich ähnliches zu wiederholen. Zur Feier der Eröffnung der Schnellfahrstrecke München-Berlin werden Sonderzüge eingesetzt, in denen drei Ministerpräsidenten, der amtierende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt und Bahnchef Richard Lutz mitfahren. Zum Abschlussfest in Berlin kommt dann auch die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Angesichts einer solchen publikumswirksamen Euphorie
ist etwas kritische Reflexion angeraten. Nach einem Vierteljahrhundert wird ein
Projekt der Bestimmung übergeben, das mit rund 10 Mrd. Euro rund das
Dreifache der 1993 offiziell geschätzten Summe gekostet hat. 37 Tunnel und 27
Brücken auf 623 km Strecke sind ein in Beton gegossener bzw. im Berg versenkter
Hochgeschwindigkeitsrausch. Man hätte es einfacher und vor allem
kostengünstiger haben können, wenn Bahn und Verkehrspolitik nicht an dem in der
Zeit der Nach-Wende zwischen dem Bundeskanzler und dem thüringischen
Ministerpräsidenten ausgehandelten Deal festgehalten hätte und die Trasse nicht
über Erfurt geführt hätte, das sich jetzt als Bahnknoten neu erfinden muss.
Selbstverständlich ist es nicht zu bestreiten,
dass die Neubaustrecke durch den Thüringer Wald erkleckliche Fahrzeitgewinne bringt
und dies nicht nur auf der vielzitierten Relation München-Berlin, sondern auch
zwischen Nürnberg und Berlin oder Leipzig und München. Aufgrund neuer
Linienführungen wirkt sich die Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke durch
Fahrtzeitverkürzungen und Angebotsverbesserungen im gesamten Netz positiv aus.
So profitieren z.B. auch Bahnreisende zwischen Frankfurt und Berlin von einem
größeren Zugangebot.Im Zuge der Eröffnung der Neubaustrecke erwartet DB Fernverkehr eine Verdopplung der Fahrgastzahlen von 1,8 auf 3,6 Mio. Passagiere. Mit Unterstützung der Lobbyverbände wird vor allem ein Angriff auf die bei Fluggästen sehr beliebte Flugverbindung München-Berlin propagiert. Tatsächlich sind auf dieser Route aber nur rund 2 Mio. Personen im Jahr unterwegs. Auch wenn Flugreisen zwischen München und Berlin in spürbarem Masse substituiert werden, was verkehrs- und umweltpolitisch durchaus wünschenswert wäre, stellt sich die Frage, wie eine Verdopplung der Passagierzahlen erreicht werden soll.
Kritisch zu hinterfragen ist in diesem Zusammenhang auch die frohe Botschaft, dass die Fahrzeit zwischen München und Berlin auf unter vier Stunden sinkt. Dies gilt leider nur für 3 Zugpaare täglich, während das Gros der stündlich abfahrenden Züge weiterhin rund viereinhalb Stunden unterwegs ist und die Ergänzungszüge sogar länger als fünf Stunden. Notabene: Mit dem Start der Sprinter zwischen München und Berlin wird der morgendliche Sprinter zwischen Frankfurt und Berlin eingestellt.
Skepsis gegenüber den euphorischen
Wachstumserwartungen ist auch vor dem Hintergrund angeraten, dass mit dem
Fernbus, dem privaten Pkw sowie den wachsenden digitalisierten ride sharing-Angeboten
starke Wettbewerber den preispolitischen Spielraum der Deutschen Bahn auf
dieser Strecke wirksam begrenzen. In Frankreich haben der Fernlinienbus und die
Mitfahrgelegenheiten dem Erfolgsmodell des TGV bereits spürbare Dämpfer
versetzt.
Erst als Konsequenz der Liberalisierung des
Fernlinienbusverkehrs hatte sich die Bahn in den letzten Jahren anstrengen müssen,
die Zahl ihrer Reisenden zu erhöhen. Ein Wachstum der Verkehrsleistung um 18%
seit 1993 auf zuletzt knapp 40 Mrd. Pkm zeugt wahrlich nicht von besonderer Dynamik – und dies trotz der
milliardenschweren Investitionen in Schnellfahrstrecken seit der Bahnreform. Ob
es der Bahn in der Zukunft gelingen wird, mit der neuen Trasse ihren
Marktanteil von einem Zehntel im Personenfernverkehr nachhaltig zu steigern, steht
daher in den Sternen. | Verkehrsleistung und Fahrgastzahlen im SPFV in Deutschland Quelle: Wikipedia |
Darüber zu philosophieren, ob eine alternative Verwendung der Investitionsmittel für andere Projekte im Personenverkehrsnetz oder gar für die notleidende Güterverkehrsinfrastruktur einen höheren Nutzen gebracht hätte, ist müßig: Sunk costs are sunk! Die Schnellfahrstrecke München-Berlin sollte aber ein Menetekel für die Zukunft sein.
Angesichts der Tatsache, dass für Neu- und Ausbaumaßnahmen in den nächsten Jahren maximal 1,5 Mrd. Euro p.a. zur Verfügung stehen, ist eine Priorisierung der Maßnahmen unausweichlich. Dass der Kostenrahmen für das Projekt Stuttgart 21 seitens der Deutschen Bahn unlängst auf 7,6 Mrd. Euro erhöht wurde, ist in diesem Kontext keine gute Nachricht.
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